Religion und Ethik an Grundschulen in NRW

Vor kurzem ging eine erstaunliche Nachricht durch die Presse. Ausgerechnet in dem Bundesland, dessen Verfassung immer noch eine Trennung katholischer und evangelischer Kinder an einem Drittel seiner öffentlichen Grundschulen vorsieht, setzen sich die Kirchen für einen „konfessionell-kooperativen“ Religionsunterricht ein. Das Schulministerium hat bereits die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen solchen ökumenischen Religionsunterricht an Grundschulen und in der Sekundarstufe I geschaffen. Damit reagieren die Kirchen nach eigenen Angaben darauf, dass immer weniger Schulkinder einer der beiden christlichen Konfessionen angehören, sie aber dennoch gemeinsam den Religionsunterricht besuchen. Entsprechend soll der Religionsunterricht offener gestaltet werden. Ob auch Bekenntnisgrundschulen einen solchen gemeinsamen Religionsunterricht anbieten können, ist nicht klar. Im Erzbistum Köln können Schulen diesen Weg ohnehin noch nicht beschreiten, hier will man zunächst abwarten, wie der „Versuch“ in den anderen Landesteilen läuft.

Auch die 2017 neu gewählte Landesregierung reagiert auf den Rückgang getaufter Kinder. Immerhin stellen konfessionslose Kinder mittlerweile bereits die drittgrößte Gruppe an Grundschulen in NRW dar. Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP heißt es (s. 12):

„Neben vielfältigeren religiösen Bekenntnissen ist auch die Anzahl der Familien ohne konfessionelle Bindung angewachsen. Daher werden wir Ethikunterricht an Grundschulen ermöglichen.“

Der Blog Pro Ethik NRW greift dieses Versprechen auf und schlägt einen entsprechenden Schulversuch vor mit dem Ziel, bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2022 „alle rechtlichen, curricularen und personellen Voraussetzungen“ zu schaffen, „das Unterrichtsfach ‚Praktische Philosophie‘ als Regelangebot für die Grundschule zu ermöglichen.“ Durchaus folgerichtig sieht dieser Vorschlag vor, dass auch Bekenntnisgrundschulen an dem Schulversuch teilnehmen, da auch hier im Landesdurchschnitt 20% (evang. Grundschulen) bzw. 16,1% (kath. Grundschulen) konfessionslos sind (Quelle für alle Zahlen: Quantita 2016, S. 26).

Quellen:

Bild:
“WTFMF?! Religionsunterricht” by barockschloss lizensiert unter CC BY 2.0

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