Schulstreit in Hilden: Bezirksgrenzen wieder einführen? Schulen zusammenlegen? Schulgesetz ändern lassen?

UPDATE zum Artikel unten: Die Frage ist entschieden. Das Schulgesetz soll geändert werden. Aus dem Artikel Warten auf neues Schulgesetz (RP Online, 14.9.2011):

Mit der Verbundschule, die frühestens für das Schuljahr 2012/2013 eingerichtet werden könnte, sieht Gatzke wesentliche Forderungen von Eltern und Politikern erfüllt: „Wir hätten weiterhin sowohl eine Bekenntnisschule als auch eine Gemeinschaftsgrundschule im Hildener Norden.“

s. auch Kommentar: Neue Chance?  und Reichwein-Schule ohne Schmid (beide RP Online, 14.9.2011)


Neues Schulgesetz für NRW soll erlauben, dass Bekenntnisschulen Hauptstandort eines Schulverbundes mit GGS werden

Hitziger Schulstreit im Hildener Norden. Es gibt hier die einzügige GGS Reichweinschule mit 70% muslimischen Zuwanderern und die zweizügige, beliebte KGS Kolpingschule, die unter Raumnot leidet. Beide Schulen befinden sich unmittelbar nebeneinander. Die Verwaltung schlägt aufgrund sinkender Schülerzahlen vor, dass beide Schulen in ihrer bisherigen Form aufgelöst und als Neugründung zusammengelegt werden. Bei der dafür nötigen Abstimmung müssten 485 Hildener Eltern entscheiden, aller Wahrscheinlichkeit nach würde eine GGS entstehen.

Eine katholische Elterninitiative vor Ort kämpft für den Erhalt der KGS. Die katholische Kirche wünscht sich statt der Zusammenlegung eine Verbundschule unter Führung der größeren Kolpingschule, also als KGS. Dies ist aber rechtlich nicht möglich – hieß es noch im Februar 2011:

„Der Erhalt einer einzügigen durch den Verbund mit einer zweizügigen Grundschule ist in diesem Fall gesetzlich nicht möglich. Denn die größere Schule muss immer der Hauptstandort, darf aber nicht konfessionell gebunden sein. Die Rechtmäßigkeit des betreffenden §2 Abs.2 SchulG NRW lässt das Erzbistum Köln gerade vom Schulministerium prüfen.“ (RP Online, 26.2.2011, Schulen bald am runden Tisch?)

Pfarrer Ulrich Hennes sieht dadurch die Bekenntnisschule benachteiligt, wie er in einem offenen Brief erläutert:

„Das Katholische Büro als Vertretung der Bistümer Nordrhein-Westfalens ist zurzeit im Gespräch mit dem Schulministerium. Eine juristische Prüfung erfolgt derzeit. Auf diesem komplexen Hintergrund empfinde ich es persönlich als äußerst schwierig, zu einer klaren Auffassung zu kommen, welche die richtige Entscheidung ist. Daher meine ich, dass eine Entscheidung in Hilden nicht zu schnell getroffen werden sollte. Die Klärung der gesamten Thematik benötigt Zeit.“

Eine andere Lösung schlägt die Schulleiterin der GGS vor: Schulbezirksgrenzen wieder einführen.

„Jetzt reicht’s!“ Mit diesen Worten hat Dagmar Schmid ihr Positionspapier zum Grundschulstandort Beethovenstraße überschrieben. Sechs Wochen laborierte die Leiterin der städtischen Adolf-Reichwein-Schule an einer Lungenentzündung. Jetzt habe es ihr fast den Atem verschlagen, was vor der Schulausschuss-Sitzung am Donnerstag seitens der „Elterninitiative Adolf-Kolping-Schule“ alles in die Wege geleitet wurde – unter anderem ein Spendenauf für anwaltlichen Beistand, um vielleicht doch noch eine Verbundschule unter Federführung der katholischen Bekenntnisschule zu legitimieren.[…] Für Schmid, deren Schule mit 67 Prozent die höchste Migrationsquote in Hilden hat, gibt es nur eine Lösung, um die „Integration wieder als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ in den Blick zu rücken: „Die Stadt muss die Bezirksgrenzen wieder einführen.“

RP-Online, 22.2.2011, Schulstreit: zunehmend frostig

Im Juli 2011 steht die Schulausschusssitzung zum Thema an. Ein Elterninitiativkreis der katholischen Kolpingschule kritisiert eine „Instrumentalisierung der Kinder“:

Späte kommt zu dem Fazit: „Die Beschlussvorlage spiegelt in erschreckendem Maße eine fehlende Toleranz des Wertes der christlichen Bekenntnisschule wider. “ An keiner Stelle werde eine christliche Grundorientierung an der Schule positiv gewürdigt. Christliche Inhalte und Symbolik fänden nur dort Erwähnung, „wo sie abgeschafft werden sollen“.

Späte wörtlich: „Die Kinder der Adolf-Kolping-Schule werden nicht mit der gebotenen Fürsorge bedacht, sondern dienen lediglich als ,Durchmischungs(!)‘-Masse zur Lösung der Probleme an der Adolf- Reichwein-Schule. Diese Instrumentalisierung der Kinder darf man nicht zulassen.“ Der Initiativkreis der AKS appelliert an die Politiker, „der Beschlussvorlage, die unweigerlich zur Auflösung beider Schulen führen wird“, nicht zuzustimmen.

RP Online, 5.7.2011, „Kolping-Schule spricht von „Skandal“

Der Schulausschuss entschied letztlich für eine Beibehaltung beider Schulen, obwohl die Zukunft der Gemeinschaftsgrundschule nicht gesichert ist.

„Pfarrer Ulrich Hennes hatte sich zwar für die Beibehaltung der katholischen Grundschule eingesetzt, kritisierte aber im Ausschuss den Stil, in dem beide Schul-Parteien miteinander umgegangen seien. Er habe weder Verständnis für die heftigen Vorwürfe von Dagmar Schmid (ARS) noch für den Offenen Brief von Gregor Späte (AKS). Der Pfarrer dankte dem Ausschuss für seine Entscheidung, stellte aber auch fest, damit sei „der Friede im Hildener Norden nicht hergestellt“.

Er freue sich, dass die katholische Grundschule erhalten bleibe, sagte Hennes. Wünschenswert wären aber auch ökumenische Grundschulen, in denen Kindern auch evangelischer Religionsunterricht und evangelische Gottesdienste angeboten werden könnten.

Hennes bat die Ratsfraktionen, über ihre Landtagsabgeordneten die Möglichkeit von ökumenischen oder christlichen Bekenntnisschulen prüfen zu lassen, die die Verfassung heute noch nicht vorsehe.“
RP Online, 9.7.2011, Hennes: ,Friede nicht hergestellt‘

Interessant wäre noch eine Erläuterung dazu, wie durch solche Schulen den Interessen der nichtchristlichen Schüler gedient sein soll.

Im Juli 2011 gibt es eine spektakuläre Wende: Offenbar ist die Regelung um die Bekenntnisschulen Teil der Verhandlungen über ein neues Schulgesetz:

„Danach soll es künftig möglich sein, dass der Hauptstandort eines Grundschulverbundes auch eine Bekenntnisschule sein kann, wenn der Teilstandort als Gemeinschaftsgrundschule geführt wird“ […] Der Gesetzentwurf lasse zu, dass an der Verbundschule ein Hauptstandort (hier die größere AKS) und ein Nebenstandort (ARS) installiert werden könnte, mit einer Schulleitung (hier Bekenntnisschule, sprich: katholisch) und einer Stellvertretung (Gemeinschaftsgrundschule). Lehrer des einen müssten im Bedarfsfall die des anderen Standortes vertreten. Gatzke sieht darin eine mögliche Lösung des Lehrerproblems an der ARS. Über die zentrale Steuerung durch eine Schulleitung könnte außerdem die Raumzuweisung erleichtert werden. Auf den besonderen Integrationsansatz der ARS habe der Schulverbund keinen Einfluss.
RP online, 15.7.2011, Schulentscheidung auf Eis 

Wäre natürlich interessant zu erfahren, was sonst noch alles geändert werden soll.


s. auch
Westdeutsche Zeitung, 11.02.2011, Eltern bangen um katholische Ausrichtung,  interessant auch die Forenbeiträge zum Artikel
RP-Online, 12.02.2011, Kolping-Eltern gegen Fusion
RP-Online, 8.12.2010, Protest gegen Schulschließung

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