Umstrittene und weniger umstrittene Umwandlungen im Rhein-Neuss-Kreis

Verkehrte Welt in Hackenbroich: 60% der Grundschulkinder sind muslimisch, aber die Schulaufsicht verlangt, dass sich die Eltern verpflichten, ihre Kinder im katholischen Glauben zu erziehen und sie zum katholischen Religionsunterricht schicken, obwohl es im Ort keine Gemeinschaftsgrundschule gibt.

Im gesamten Rhein-Kreis Neuss gibt es zurzeit Bestrebungen, katholische Grundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen umzuwandeln. In den meisten Fällen läuft dieser Prozess recht geräuschlos und friedlich ab.

Auch die Umwandlung der Tannenbuschschule in Delhoven vor einigen Monaten war – abgesehen von dem sehr aufwendigen Abstimmungsverfahren – kein Problem. In Hackenbroich sieht das anders aus. Damit die Situation nach einer turbulenten Informationsveranstaltung nicht weiter eskaliert, hat die Schulpflegschaft eine Projektgruppe gegründet, die die Eltern informieren und zwischen den gegensätzlichen Positionen vermitteln soll. Auch der Verein „Aktiv für Hackenbroich“ und der Ausländerbeirat der Stadt Dormagen sind inzwischen eingeschaltet worden. „Integration ist das große Thema bei uns im Ort, das natürlich auch bei dieser Frage eine entscheidende Rolle spielt“, sagt Guido Porting, stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft und Mitglied der Projektgruppe. Das Problem: Im kommenden Schuljahr soll der evangelische Religionsunterricht in Hackenbroich eingestellt werden.

Die Schulaufsicht verlangt gleichzeitig, dass die katholische Schule zwar auch Kinder aufnehmen darf, die nicht katholisch sind, allerdings nur, wenn sich die Eltern verpflichten, ihre Kinder im katholischen Glauben zu erziehen und sie zum katholischen Religionsunterricht schicken. „Rund 60 Prozent der Grundschüler in Hackenbroich sind muslimischen Glaubens, und ein Teil von ihnen tut sich mit dieser Vorgabe sehr schwer“, sagt Porting. „Vor allem, weil sie im Ort selbst keine Alternative haben, denn es gibt keine Gemeinschaftsgrundschule.“ Auf der anderen Seite ständen Hackenbroicher, die ihre katholische Grundschule erhalten wollten. „Sie haben Angst, dass christliche Werte in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen“, so Porting. Die Projektgruppe habe in den vergangenen Wochen Fragen von Eltern gesammelt und versucht, sie gemeinsam mit dem Kreis zu beantworten.

NGZ Online Dormagen, 29.12.2004, Umwandlung heftig umstritten


Die Umwandlung der KGS Hackenbroich in eine GGS war übrigens erfolgreich.

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