Bekenntnisgrundschulen in NRW – Zahlen und Statistisches

(zuletzt aktualisiert: 19.06.2015)

Die Länge des Schulwegs für die kleinsten Schüler/innen und die Verwirklichung des Prinzips der Religionsfreiheit an Grundschulen hängt für Lehrkräfte und Schüler/innen in großen Teilen Nordrhein-Westfalens maßgeblich von der Konfession ab. Die Verfassung des Landes garantiert die Existenz staatlicher Bekenntnisschulen. Nachdem das Thema Bekenntnisschulen im Schulkonsens von 2011 zwischen CDU, SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN noch ausgeklammert war, wurde 2015 ein Gesetzentwurf verabschiedet, der die Umwandlung von Bekenntnisschulen etwas erleichtert und die strikte Bekenntnisbindung von Lehrkräften aufweicht.


Die Farbpunkte stellen den Anteil der Bekenntnisgrundschulen in der jeweiligen Kommune dar: weiß=0%, schwarz=100% (hier klicken für eine vergrößerte Darstellung).

Die Situation an den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen ist insgesamt aufgrund des Geburtenrückgangs durch abnehmende Schülerzahlen gekennzeichnet. Aufgrund dessen werden laufend Grundschulen fast aller Schularten geschlossen. Gleichzeitig geht der Anteil katholischer und evangelischer Kinder an den Grundschulen des Bundeslandes laufend zurück: Waren 2001 noch 74,4% getauft, so waren es im Schuljahr 2015/16 nur noch 58,5%. Der Anteil der Grundschulkinder, die keiner Religion zugeordnet sind, stieg dagegen markant an, von 9,4% auf 18,4%. Der relative Anteil muslimischer Kinder erhöhte sich im gleichen Zeitraum ebenfalls deutlich von 11,8% auf 17,2%.

Bekenntnisgrundschulen in NRW in Zahlen (Schuljahr 2015/16)

Insgesamt gibt es 619.659 Grundschüler (1970: 1.071.127), davon sind

  • 35,2% römisch-katholisch (2001/2: 44,2%)
  • 23,3% evangelisch (30,2%)
  • 17,2% muslimisch (11,8%)
  • 18,4% ohne Konfession (9,4%)
  • 5,9% andere Konfessionen

38,3% der Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Grundschulen haben eine Zuwanderungsgeschichte, davon 9% eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit (an privaten Ersatzschulen: 48,1%).

Von den insgesamt 2845 Grundschulen (2001/2: 3.470, 1970: 3.650) sind 2.786 öffentlich. In NRW sind lediglich 59 und damit 2,1% der Grundschulen Privatschulen. Die Verteilung nach Schularten ist wie folgt:

  • 1.908 Gemeinschaftsgrundschulen (67%, im Vorjahr 1.933)
  • 845 katholische Grundschulen (30%, im Vorjahr 855)
  • 90 Evangelische Grundschulen (3%, im Vorjahr 92)
  • 2 jüdische Grundschulen (0%, unverändert)

Insgesamt gibt es demnach 937 öffentliche Bekenntnisgrundschulen, die sehr ungleichmäßig über das Bundesland verteilt sind. Während es in 116 Gemeinden keine einzige Bekenntnisgrundschule gibt, ist dies in 75 Kommunen die einzige Schulform. In 153 Städten sind mindestens die Hälfte der Schulen konfessionell gebunden (diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2013).

Bekenntnishomogenität?

Eine „Bekenntnishomogenität“ (laut Bildungsministerium „prägender Gesichtspunkt in formeller Hinsicht“) ist im statistischen Mittel nur an den 2 jüdischen Grundschulen gegeben: Dort sind 87,4% der Schülerinnen und Schüler jüdisch. An evangelischen und katholischen Grundschulen nimmt der relative Anteil der Bekenntnisschüler dagegen laufend ab. Der Anteil von Schülern im jeweiligen Bekenntnis ist wie folgt:

  • an katholischen Grundschulen sind 53,2% katholisch (2004/5: 63,6%)
  • an evangelischen Grundschulen sind 41,5% evangelisch (50,6%)

Der Anteil muslimischer Kinder ist an Gemeinschaftsgrundschulen fast doppelt so hoch wie an Bekenntnisschulen: Im Schnitt werden dort 20,2% dem Islam zugerechnet (2004/5: 15,7%). An EGS beträgt deren Anteil 11,0% (10,2%), an KGS liegt er fast genau so hoch: 10,9% (7,6%). Dazu sollte man sagen, dass die statistischen Werte gemittelt sind und wenig über die Situation an einzelnen Standorten aussagen. So gibt es sowohl Gemeinschaftsgrundschulen als auch Bekenntnisgrundschulen, an denen muslimische Kinder die größte Gruppe darstellen.

Religionsunterricht an Bekenntnisgrundschulen

Die Schulstatistik des Landes hält fest, dass auch an Bekenntnisschulen zahlreiche Kinder nicht am Religionsunterricht teilnehmen. An katholischen Grundschulen sind laut dieser Statistik z.B. 188 römisch-katholisch und 35 evangelisch getaufte Kinder vom Religionsunterricht abgemeldet. Das ist angesichts von insgesamt 179.144 Kindern an dieser Schulart prozentual zwar ein verschwindend geringer Wert – aber doch erstaunlich hoch angesichts dessen, dass eine Abmeldung vom Religionsunterricht an Bekenntnisschulen eigentlich gar nicht möglich sein soll.

Alle o.g. Zahlen stammen aus: Das Schulwesen in NRW aus quantitativer Sicht 2015/16 bzw. Schulinfo 2004/5., bzw. Statistik-Telegramm 2014/15.

Eine gute Ergänzung ist in diesem Zusammenhang eine Kleine Anfrage der NRW-Piraten vom Juni 2013: Aus der Antwort ging hervor, dass es zu diesem Zeitpunkt in 75 Kommunen in NRW ausschließlich Bekenntnisschulen gab, und in 39% aller Städte und Gemeinden waren mindestens die Hälfte aller Grundschulen Bekenntnisschulen.

Fallbeispiel Bonn

Es gibt Kommunen, in denen der Anteil von Bekenntnisschulen weitaus höher ist als in Bonn. Aber auch an diesem Beispiel lässt sich gut darstellen, dass die Schullandschaft einem erweitert definierten Inklusionsbegriff nicht gerecht wird, wie folgende Auszüge aus dem Handbuch Inklusive Bildung Bonn (Stand September 2012) deutlich machen:

Inklusion wird von der Stadt Bonn mit dem erweiterten Inklusionsbegriff definiert.

Der Inklusionsbegriff wird deshalb in Bonn ausdrücklich auf alle Menschen bezogen, die – aus welchen Gründen auch immer – in unserer Stadtgesellschaft ganz oder in Teilbereichen ausgegrenzt werden, d.h. nicht nur auf Menschen mit Behinderung, sondern z.B. potenziell auch auf Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen in Armut oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen usw. (sog. weiter Inklusionsbegriff).

Von den 51 Grundschulen in Bonn sind 19 Grundschulen katholisch und zwei evangelisch. 28 Schulen sind Gemeinschaftsgrundschulen.

Insgesamt sind in Bonn (im Schuljahr 2010/2011) 4.047 Grundschulkinder katholischen Glaubens – die beileibe nicht alle katholische Grundschulen besuchen. Umgekehrt besuchen insgesamt 4.337 Kinder katholische Grundschulen, d.h. das Angebot ist weit größer als es tatsächlich Grundschulkinder dieser Glaubensrichtung gibt. Insgesamt sind nur noch 44% der Kinder an katholischen Grundschulen in Bonn tatsächlich katholisch. Im Schuljahr 2013/14 gehörten lediglich an zwei Bonner Konfessionsgrundschulen mehr als 50% der Kinder dem Schulbekenntnis an (s. http://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/14/1410479.pdf).

An den beiden evangelischen Grundschulen war der Anteil an muslimischen Kindern (32%) höher als der Anteil an protestantischen Kindern (23%).

Ordnet man die Kinder und Jugendlichen aller Altersklassen nach ihrer Religionszugehörigkeit zu, ergibt sich folgendes Bild: Die Mehrheit der Bonner Kinder und Jugendlichen (42 %) gehört dem katholischen Glauben an. 25 % sind evangelisch, 15 % der Kinder und Jugendlichen werden dem Islam zugerechnet und 14 % sind ohne jede Religion. Des Weiteren gibt es 4 % mit anderen Glaubensrichtungen, wie z.B. jüdisch, alevitisch, syrisch-orthodox usw.

Diese Zahlen ändern sich rapide: Betrachtet man ausschließlich die Situation an Grundschulen (also bei dem Teilausschnitt der jüngeren Kinder), sieht die Zusammensetzung schon ganz anders aus: Hier werden 21 % der Kinder islamischen Glaubensrichtungen zugeordnet, nur 35 % sind katholisch und 21 % evangelisch. 19 % sind konfessionslos.

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