Bonn braucht keine öffentlichen Bekenntnisschulen…

…sondern Grundschulen, die allen Kindern im Umfeld unabhängig von Glaube und Bekenntnis offenstehen. 

Diesen Tenor kann man aus einer ganzen Reihe von Anträgen herauslesen, die im Bürgerausschuss der Stadt Bonn am Dienstag, den 13.6.2017 behandelt werden (siehe Ratsinformationssystem der Stadt Bonn, Dokumente 1711094 bis 171114). Die Sitzung ist öffentlich. Tagungsort ist der Ratssaal des Bonner Stadthauses, Beginn ist um 18 Uhr, die Anträge zum Thema Bekenntnisschule stehen gleich zu Beginn der Sitzung auf der Tagesordnung.

Einer der Anträge stammt von der Initiative „Kurze Beine – kurze Wege“ (direkter Link zum Antrag). Wir fordern darin die Stadt Bonn auf, an allen Bonner Bekenntnisgrundschulen ein Abstimmungsverfahren über die Schulart durchzuführen. Wenn der Rat der Stadt diesen Vorschlag aufgreift, bekommen die Eltern an allen 20 Bekenntnisgrundschulen in Bonn die Gelegenheit, für eine Umwandlung ihrer Grundschule in eine Gemeinschaftsgrundschule abzustimmen, die allen Kindern und Lehrkräften unabhängig von ihrer Religion offensteht.

Das klingt radikal, ist es aber eigentlich nicht in einem säkularen Staat des 21. Jahrhunderts. Zur Erinnerung: Die betroffenen Bekenntnisschulen befinden sich in städtischer Trägerschaft und werden zu 100% aus allgemeinen Steuergeldern finanziert, die Kirchen tragen keinen Cent zu ihrer Finanzierung bei. Und antireligiös ist die Forderung auch nicht: In Gemeinschaftsschulen werden nämlich laut Landesverfassung und Schulgesetz „Kinder auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte in Offenheit für die christlichen Bekenntnisse und für andere religiöse und weltanschauliche Überzeugungen gemeinsam unterrichtet und erzogen“. Das ist genau die Realität, die an allen Bonner Grundschulen ohnehin gelebt wird, egal was an der Tür steht. An kaum einer Grundschule sind mehr als 50% der Kinder katholisch (die Verwaltung bestätigt übrigens in ihrer Stellungnahme, dass lediglich an zwei von 20 Bekenntnisschulen eine Mehrheit der Kinder katholisch ist). Auch an Gemeinschaftsgrundschulen wird Religionsunterricht erteilt, finden St-Martins-Züge statt, wird im Advent Weihnachten gefeiert, und werden Schulgottesdienste gefeiert. 500 Jahre Reformation wäre doch mal ein guter Anlass für die Stadt Bonn – aber natürlich auch das Land NRW – an dieser Stelle auch gegen erwartbare katholische Widerstände ein kleines bisschen Reform zu wagen.

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