Über Schulvielfalt und Wahlfreiheit im Sauerland

Sundern im Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen, Quelle: wiki commons

In vielen Städten und Gemeinden im ländlich geprägten Sauerland gibt es fast ausschließlich katholische Grundschulen. Eine Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Grundschularten ist für die Eltern damit nicht gegeben. Für nicht-katholische Lehrkräfte und Schüler sind damit erhebliche Einschränkungen verbunden. Eine Konsequenz: Evangelische oder konfessionslose Lehrkräfte haben unabhängig von ihrer Qualifikation kaum eine Chance, in dieser Region Schulleiter zu werden.

Nun könnte man meinen, dass durch den Rückgang der Grundschülerzahlen im ländlichen Raum und die dadurch notwendigen Schulzusammenlegungen auch die Schullandschaft den heutigen gesellschaftlichen Realitäten angepasst wird. Zumindest in der Gemeinde Sundern ist allerdings das Gegenteil der Fall. Dort soll die derzeit noch bestehende einzige Gemeinschaftsgrundschule aufgelöst werden. Wenn dieser Beschluss umgesetzt wird, gibt es in Sundern zukünftig nur noch katholische Grundschulen, lediglich ein Teilstandort soll als Gemeinschaftsgrundschule erhalten bleiben. Das Sunderner Ratsmitglied Schulte- Huermann von Bündnis 90/Die Grünen beschreibt für uns die Situation im Januar 2013.

Sundern ist eine ländliche Flächengemeinde im ehemals rein katholisch geprägten kurkölnischen Sauerland. Die Stadt hat 28.300 Einwohner und eine Flächengröße von 193 km².  Seit Ende des 2. Weltkriegs hat sich die Bevölkerungsstruktur erheblich verändert: es gibt funktionierende protestantische Gemeinden, islamische Verbände und eine starke Zunahme konfessionsloser Schüler.

Die Einwohner verteilen sich auf den Ortskern (ca. 10.000 Ew) mit einem Schulzentrum aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium  und 15 dörflichen Ortsteilen.  Bis 2007 gab es im  Stadtgebiet 9 Grundschulen, die bis auf die Gemeinschaftsgrundschule Westenfeld allesamt katholische Bekenntnisschulen waren.  Im Stadtkern selbst gibt es 2 katholische Grundschulen. Auf Grund der rückläufigen Schülerzahlen wurde im Jahr 2007 die Gemeinschaftsgrundschule Westenfeld mit der katholischen Grundschule Hellefeld zur Gemeinschaftsgrundschule Altes Testament zusammengelegt.  Auf Grund der näheren Lage zum Ortskern (3 km) wurde der  Standort Westenfeld auch von den Kindern aus der Ortsmitte besucht,  die aus verschiedenen Gründen nicht auf die zentralen katholischen Grundschulen wollten. Auf Grund der demografischen Entwicklung (Rückgang der Grundschüler von 1611 im Schuljahr 2001/02 auf 1161 im Jahre 2011/12) wird nun seit 5 Jahren intensiv über eine weitere Zusammenlegung und Schließung von Grundschulen diskutiert. Im Rat gab es dabei schwerpunktmäßig bisher folgende Vorstellungen:  CDU und SPD legten den Schwerpunkt auf den Erhalt von möglichst vielen Grundschulen in den Dörfern. Die FDP forderte die Schließung fast aller dörflicher Grundschulen. Bündnis 90/Die Grünen forderte die Schaffung einer zentralen Gemeinschaftsgrundschule und den Erhalt wohnortnaher Grundschulen.

Hauptknackpunkt in den Beratungen war dabei die einzige Gemeinschaftsgrundschule im Stadtgebiet Altes Testament, die aus den Standorten Westenfeld (3 km vom Zentrum entfernt) und Hellefeld (6 km vom Zentrum entfernt) besteht.

Überraschend brachten CDU und SPD in der Schulausschusssitzung im November 2012 einen gemeinschaftlichen Antrag ein, der in der Konsequenz die Auflösung der einzigen Gemeinschaftsgrundschule zur Folge hat. Ein verbleibender Teilstandort der Gemeinschaftsschule im peripher gelegenen Hellefeld sollte einer katholischen Grundschule angeschlossen werden.

Überraschend kam der Vorstoß von CDU und SPD auch deswegen, weil die Schulverwaltung im Vorfeld eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht hatte, wie eine Gemeinschaftsgrundschule in zentraler Lage geschaffen werden könne.

CDU und SPD begründeten ihren Antrag  folgendermaßen: Die Fraktionen der CDU und SPD wünschen sich darüber hinaus den Erhalt der Gemeinschaftsgrundschule in der Stadt Sundern, erkennen aber auch an, dass die Schulform von den Eltern bisher nicht ausdrücklich gefordert wurde.

Der CDU/SPD -Antrag wurde gegen die Stimmen von Bündnis 90/Die Grünen und FDP angenommen. In der Folge gab es erhebliche Proteste der Schulleitung der Gemeinschaftsgrundschule Altes Testament, leider bisher erfolglos.

In der im Dezember folgenden Ratssitzung bekräftigten CDU und SPD ihren Beschluss. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen brachten einen Gegenantrag ein, der einen Vorschlag der Verwaltung aufgriff, um einen zentralen Gemeinschaftsschulstandort zu schaffen.

Auf Grund eines Formfehlers in der letzten Ratssitzung wird nun über diesen  Antrag im März erneut beraten.  Sollten CDU und SPD dann auch bei ihrer Position bleiben, dürfte das Aus der einzigen Gemeinschaftsgrundschule endgültig besiegelt sein.

Damit steht allerdings Sundern nicht alleine da, auch in anderen Städten des Sauerlandes  existieren nur noch katholische Bekenntnisschulen. Ein öffentliches Thema scheint das bisher fast nirgendwo zu sein.

Matthias Schulte- Huermann
Ratsmitglied Bündnis 90/Die Grünen

Der Fortgang der Diskussion in Sundern kann auf den Webseiten der Grünen in Sundern weiter verfolgt werden. Wir werden auch hier über die Entscheidung des Schulausschusses am 8. März berichten.

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Ein Kommentar zu Über Schulvielfalt und Wahlfreiheit im Sauerland

  1. SBL-Kreistagsmitglied R. Loos stellte im Februar eine Anfrage an den Landrat, um in Erfahrung zu bringen, wie hoch der Anteil der katholischen Grundschulen im Hochsauerlandkreis ist. Die Antwort liegt jetzt vor. Demnach sind 2/3 der Grundschulen im HSK katholisch.

    Klick:
    http://sbl-fraktion.de/?p=2821

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