Wieder einmal: Abstimmung über Bekenntnisbindung an sechs Grundschulen in Vechta

Im niedersächsischen Vechta müssen die Eltern im September an sechs Grundschulen darüber abstimmen, ob die Bekenntnisbindung aufgehoben wird und sie in Schulen für Kinder aller Bekenntnisse umgewandelt werden. Die Abstimmung wird nötig, weil an den betreffenden Schulen im vierten Jahr in Folge nur noch weniger als 30% der Schülerinnen und Schüler das Bekenntniskriterium ihrer Schule erfüllen (vor einigen Jahren lag diese Grenze noch bei 15%!). Das Schulgesetz von Niedersachsen sieht in einem solchen Fall eine Elternabstimmung vor. Wenn diese Regelung auch in NRW Geltung zur Anwendung käme, gäbe es im bevölkerungsreichsten Bundesland kaum noch staatliche Bekenntnisschulen: dort sind im landesweiten Durchschnitt gerade einmal die Hälfte der Kinder an den 826 katholischen Grundschulen katholisch getauft, an den evangelischen sind sogar nur noch eine Minderheit von 39% entsprechend getauft (näheres hier).

Auch sonst gibt es in den beiden letzten Bundesländern, die noch Bekenntnisschulen in staatlicher Trägerschaft vorsehen, Unterschiede: So kann in Niedersachsen – zumindest theoretisch – auch ein schwuler Protestant Rektor einer katholischen Grundschule werden. Undenkbar wäre das in NRW, wo das Schulgesetz auch nach der letzten Schulgesetzänderung nach wie vor festlegt, dass die Rektorenstelle an das Bekenntnis der Schule gebunden ist. Immerhin hält selbst das Schulministerium das Gesetz offenbar für überholt und lässt mittlerweile Ausnahmen zu.

Nur in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gibt es noch Bekenntnisschulen in staatlicher Trägerschaft. In allen anderen Bundesländern setzte sich spätestens Ende der 60er Jahre die Erkenntnis durch, dass es aus vielerlei Gründen sinnvoll ist, dass Kinder unabhängig von ihrer Konfession gemeinsam lesen und schreiben lernen.  Wir drücken Vechta die Daumen, dass es die konfessionelle Trennung überwindet und möglichst alle Schulen umgewandelt werden. Man darf durchaus gespannt sein, wie die Abstimmung ausgeht: Als 2009 schon einmal an drei Grundschulen im Ortszentrum abgestimmt wurde, wurde – übrigens auch zum Bedauern der katholischen Kirche – die erforderliche Elternmehrheit nur an einer Schule erreicht…

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