Wie kurze Wege der Bildungsgerechtigkeit dienen

Sämtliche im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien sind sich einig: „Alle Kinder sollen ungeachtet ihres kulturellen Hintergrundes gemeinsam unterrichtet werden.” Die deutsche Bildungsrealität sieht anders aus. In einem Artikel auf Migazin.de über Segregation im Klassenzimmer untersucht Autorin Gabriele Voßkühler Ursachen und Folgen des Phänomens, dass in Deutschland Kinder häufig „nach Herkunft getrennt“ zur Schule gehen. Die Autorin berichtet über Studien des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), wonach in Deutschland rund 41 Prozent der Grundschüler aus Einwandererfamilien in „segregierten“ Schulen unterrichtet werden. In Großstädten wie Berlin ist der Anteil der Kinder, die nach Herkunft getrennt zur Schule gehen, mit 70 Prozent noch höher. Voßkühler schreibt:

Für die SVR-Forscher ist klar: Wenn Eltern für ihre Kinder konsequent Schulen mit wenig Kindern aus Einwandererfamilien auswählen, dann verschärfen sie das Problem der Trennung von Schülern nach Herkunft.

Prof. Uslucan, Migrationsforscher an der Duisburger Universität, betont: „Eltern können einen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit leisten, wenn sie Ihre Kinder dort zur Schule schicken, wo sie wohnen.“ In Nordrhein-Westfalen mit seinem hohen Anteil staatlicher Konfessionsgrundschulen ist das für viele Eltern nur möglich, wenn sie – meist widerwillig – dem verpflichtenden Besuch von katholischem oder evangelischem Religionsunterricht und Gottesdienst zustimmen.

Andernfalls kann es ihnen gehen wie „Bülent“, der in Paderborn von einer katholischen Grundschule aufgrund seiner Religionszugehörigkeit abgelehnt wurde. Jetzt geht er mit seiner Schwester auf eine Gemeinschaftsgrundschule, die sich Tür an Tür befindet mit einer katholischen Bekenntnisschule. Sein Vater erzählt:

“Die Migrantenkinder gehen überwiegend durch die rechte Tür in die Gemeinschaftsschule, die ‘einheimischen’ Kinder überwiegend durch die linke Tür in die Bekenntnisschule. Meinen Kindern fiel das sofort auf: ‘Papa, in meiner Klasse sind ganz viele Kinder mit türkischem Namen’.” Bülent selbst ist in Paderborn geboren, er ist deutscher Staatsbürger. Auch an der neuen Schule lernt Bülent, dass die Forderung aller im Bundestag vertretenen Parteien nicht Realität ist, sondern weiterhin ein politischer Auftrag an unsere Volksvertreter bleibt.

Zum ganzen Artikel: http://www.migazin.de/2014/01/29/„segregation-kommt-selten-alleine

Mehr über „Bülent“: http://www.kurzebeinekurzewege.de/category/paderborn/

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