Irland legt vor: Schluss mit „Catholics first“

Im Juli beschloss das Parlament ein Gesetz, wonach es zukünftig keine „Taufhindernis“ mehr geben darf bei der Aufnahme an staatlichen katholischen Grundschulen. Demnach ist es ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr zulässig, katholische Kinder bei der Aufnahme vorzuziehen.

Es sei unfair, dass ein ortsansässiges Kind ohne Religion bei der Aufnahme an der örtlichen Schule benachteiligt werde gegenüber religiösen Kindern, die erheblich weiter weg wohnen, so der Bildungsminister. Eltern sollten sich nicht genötigt fühlen, ihr Kind zu taufen.

Schade nur, dass diese Meldung sich nicht auf die Situation in NRW bezieht, sondern über kürzlich erfolgte Gesetzesänderungen im einst so katholisch geprägten Irland berichtet (cnn.com, 25.8.2018, They baptized their children for school places. Now regret is setting in).

Es ist verblüffend, wie stark die beschriebene Situation in Irland jener im größten deutschen Bundesland gleicht: So wird der Generalsekretär der katholischen Schulbehörde zitiert, dass das Problem nicht das sogenannte Taufhindernis („baptism barrier“) sei, sondern der Mangel an Schulplätzen in beliebten Wohngegenden. Katholische Schulen würden, so fährt er fort, gerne alle Kinder aufnehmen, die sich bewerben. Es handele sich zudem nur um wenige Betroffene und er habe noch keine Familie getroffen, die ihr Kind um eines Schulplatzes willen habe taufen lassen.

Genau wie in NRW auch gibt es aber diese Fälle, auch wenn sie natürlich in keiner Statistik auftauchen: Familien, die mit Religion nichts am Hut haben, ihre Kinder aber taufen lassen, damit sie bessere Chancen auf den begehrten Schulplatz haben. Und die dann auch in Kauf nehmen, dass ihre Kinder am Religionsunterricht teilnehmen, damit sie nicht zum Außenseiter werden.

Die Benachteiligung nichtkatholischer Familien ist durch die Abschaffung der Taufhürde nicht beendet. Nach wie vor wird ein Großteil der irischen Grundschulen von der katholischen Kirche betrieben. 10% des Pflichtunterrichts dort ist religiösen Themen gewidmet. Vielerorts gibt es – wie in Teilen NRWs – keine nichtreligiösen Schulen als Alternative. Erstaunlich ist allerdings, dass Irland es immerhin geschafft hat, die gesetzliche Bevorzugung katholischer Kinder abzuschaffen, obwohl dort drei Viertel der Bevölkerung immer noch römisch-katholisch sind – in NRW sind gerade noch 30% der Grundschulkinder katholisch. Und doch gibt es hierzulande nach wie vor das Taufhindernis: An einem Drittel aller staatlichen Grundschulen des größten Bundeslandes gilt: Wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, müssen passend getaufte Kinder zuerst aufgenommen werden.

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