Kategorie-Archiv: Niedersachsen

Neben Nordrhein-Westfalen ist Niedersachsen das einzige Bundesland, in dem es noch öffentliche Bekenntnisgrundschulen gibt.

Sachen gibt’s… Schwuler Lehrer will dann doch nicht Leiter von katholischer Grundschule werden

Aufregung in Niedersachsen: Eigentlich hatten sich alle darüber gefreut, endlich einen Leiter für die kleine Grundschule in Echterfeld (Landkreis Vechta) gefunden zu haben, noch dazu einen „exzellenten Pädagogen“, wie es hieß: Bürgermeister Meyer (CDU) ebenso wie Lehrer/innen und Eltern. Doch dann beschwerten sich wohl eine Handvoll Menschen bei ihrem katholischen Pfarrer, dieser erzählte es dem Bewerber. Der wiederum hatte keine Lust mehr auf den Job und zog seine Bewerbung zurück.

Die Pointe dieser Geschichte: Es handelt sich um eine katholische Bekenntnisschule, der Bewerber ist evangelisch und homosexuell.

Bekenntnisschulen in Niedersachsen mit Quorum

In Niedersachsen gibt es, anders als in NRW, ein Quorum: Höchstens 20% der Schülerinnen und Schüler einer Bekenntnisschule dürfen nicht dem Schulbekenntnis angehören. Gälte diese Regelung in Nordrhein-Westfalen, gäbe es nur noch einen Bruchteil der jetzt ca. 1.100 öffentlichen Konfessionsgrundschulen (Zahlen und Statistisches). Was aber, wenn der Anteil katholischer Kinder nicht ausreicht, um die Schule nach der gesetzlichen Regelung als Bekenntnisschule weiterzuführen? Das naheliegende tun und die Schule in eine normale Grundschule umwandeln? Eine Ausnahmegenehmigung beantragen?  Das Land Niedersachsen entscheidet sich für: Das Quorum erhöhen!

Derzeit darf die katholische Bekenntnisschule lediglich 20% nichtkatholische Kinder aufnehmen. Das Land Niedersachsen erhöht die Grenze mit Wirkung vom 01.08.2011 auf 30%.

Webseite der Stadt Nordhorn: Einschulung an die Grundschule Marienschule zum Schuljahr 2012/2013 steht nicht in Frage

In Sudheim wollte man nun jedoch eine katholische Bekenntnisschule einrichten, obwohl absehbar weniger als 70% der Schüler/innen katholisch sein würden. Das ging also nicht. Um eine kreative Lösung war man dennoch nicht verlegen:

„Die Stadt Northeim und das Kultusministerium einigten sich stattdessen darauf, dass die Einrichtung eine Gemeinschaftsgrundschule werden soll, die sich ein katholisches Profil geben kann.“
(HNA.de, 17.11.2011, Sudheimer Schule wird keine katholische Bekenntnisschule) .

Stadtelternrat stimmt Verlagerung der Kardinal-Bertram-Schule nach Sudheim zu

An niedersächsischen öffentlichen Bekenntnisschulen gilt anders als in NRW ein Quorum. Das führt angesichts des Rückgangs der Schülerzahlen zu Diskussionen wie in Northeim:

„Bei einer Bekenntnisschule wie der katholischen KBS dürfen nur maximal 30 Prozent der Kinder einem anderen Glauben angehören. Um die Verlagerung der Schule in die Grundschule Sudheim verwirklichen zu können, soll eine Ausnahmegenehmigung beim Kultusministerium beantragt werden, von diesem Quorum abzuweichen.

Voraussichtlich wären nach einer Verlagerung der KBS nach Sudheim dort über die Hälfte der Schüler nicht-katholischen Glaubens. Deshalb fordert der Stadtelternrat insbesondere für die katholischen Schüler eine in allen Belangen konfessionsgerechte Beschulung. Andererseits müsse für die nicht-katholischen Kinder aus Sudheim und Bühle ein langfristiger Anspruch auf Beschulung in Sudheim gesichert werden, sollte das Kultusministerium der Abweichung vom Quorum zustimmen.“

Dem Kommentar im Forum zum Artikel ist nichts hinzuzufügen: „die Frage bleibt: welchen Sinn macht heute und in Zukunft eine konfessionsgebundene Grundschulbildung?“

HNA Online, 11.7.2011, Stadtelternrat stimmt Verlagerung der Kardinal-Bertram-Schule nach Sudheim zu

Sudheim: Bekenntnisschule mit Ausnahmegenehmigung

Aus dem Artikel geht nicht hervor, warum auf Teufel komm raus eine Bekenntnisschule neu eingerichtet werden soll, obwohl mehr als die Hälfte der Kinder diesem Bekenntnis nicht angehören. Was in Niedersachsen anders als in NRW eigentlich nicht zulässig ist.

„Sudheim. Aus der Grundschule Sudheim soll im kommenden Jahr die katholische Kardinal-Bertram-Schule werden, die bislang ihren Sitz in Northeim hat.

Das empfahl der Northeimer Schulausschuss einstimmig und beauftragte Northeims Bürgermeister, beim Kultusministerium eine Ausnahmegenehmigung für die Umwandlung der Sudheimer Grundschule in eine Bekenntnisschule einzuholen.

Eine Ausnahmegenehmigung ist nötig, weil es für Bekenntnisschulen – in diesem Fall mit katholischem Bekenntnis – eine gesetzliche Vorgabe des Landes gibt. Danach dürfen nur maximal 30 Prozent der Kinder nicht katholischen Glaubens in einer Bekenntnisschule unterrichtet werden. Würden alle Sudheimer und Bühler Kinder mit unterrichtet, steigt dieser Wert aber auf fast 55 Prozent. […]“

HNA.de, 26.5.2011, Katholische Schule soll nach Sudheim

siehe auch HNA, 10.6.2011, Ortsrat für Kirchen-Schule

Niedersachsen: Maximal 30% bekenntnisfremde Kinder

Nach dem neuen Schulgesetz des Landes Niedersachsen dürfen maximal 30 Prozent der Schüler einer Bekenntnisschule bekenntnisfremd sein. Doch schon jetzt wird diese Quote in zahlreichen Bekenntnisgrundschulen des Landkreises Vechta überschritten. Die Auswirkungen des sinkenden Anteils der Katholiken an der Bevölkerung im Landkreis Vechta sind somit in der Schullandschaft deutlich spürbar. Mit der neuen Gesetzesregelung einigten sich Land und Kirche auf einen Konsens, der mittelfristig eine grundlegende Neuausrichtung der Grundschullandschaft erwarten lässt.

Oldenburgische Volkszeitung, 22.3.2011, Weniger Kinder in Grundschulen sind katholisch

Drei-Religionen-Schule in Osnabrück

Weil die Zahlen katholischer Schüler/innen zurückgehen, strebt das Bistum Osnabrück in Niedersachsen eine Umwandlung der öffentlichen katholischen Johannisschule in eine private Drei-Religionen-Grundschule an. Im Sommer 2012 soll es so weit sein. Klingt interessant, ist aber nicht unumstritten:

„Der aktuelle Schulleiter der Johannisschule lässt sich zu Beginn des kommenden Halbjahres versetzen, weil er es lieber gesehen hätte, wenn aus seiner Schule eine öffentliche Einrichtung ohne Zulassungsbeschränkungen geworden wäre. Das sehen einer Umfrage des Schulelternrates zufolge auch 51 Prozent der Eltern so. Nur 23 Prozent der Mütter und Väter befürworten das trialogische Modell.“

tageszeitung, 3.1.2011: „An der Wand Kreuz und Menora

s. auch ndr.de, 18.3.2011, „Grünes Licht für Drei-Religionen-Grundschule
und
evangelisch.de, 11.7.2011, „Alles, bloß nicht evangelisch: Das multireligiöse Schulprojekt