Schwache Schulvielfalt statt starker Schulen? Der Fall der Grundschule Schönebeck in Essen

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Im Internet fanden wir ein schönes Zeitdokument: Den offenen Brief einer Elterninitiative “zum Erhalt einer Gemeinschaftsgrundschule in Schönebeck” an den Rat der Stadt Essen. Sie fragen darin, warum Doppelstrukturen mit kleinen Schulen aufrechterhalten werden sollen:

“Niemand konnte uns bisher erklären, warum diese Variante gegenüber der nahe liegenden (Schließung der katholischen Eichendorff-Schule) zu bevorzugen ist. Im Gegenteil: Ausnahmslos alle damit befassten Essener Politiker, aber auch Gewerkschafter der GEW sowie evangelische Gemeindepfarrer haben uns in Gesprächen in kleinerem Kreis bestätigt, dass die von uns geforderte Lösung in der Tat die richtige sei.  Und dann folgt seitens der Politiker leider allzu oft der Satz: ‚aber diese Lösung ist momentan nicht durchsetzbar!’ Wir fragen dann stets: Und warum nicht? Warum können Politiker, die vermeintlich alle dasselbe als Optimum ansehen, dieses Optimum nicht gemeinsam beschließen? Darauf kommen dann Antworten, aus denen Mutlosigkeit, ja Angst spricht. Angst vor ‚einem Flächenbrand!’ Angst vor der ‚Reaktion der katholischen Bevölkerung!’, Angst, Angst immer nur Angst! Wir fragen uns einigermaßen verwirrt angesichts dieser Ängste:  Wo leben wir eigentlich? In Nordirland oder in Nordrhein-Westfalen? Wann leben wir eigentlich? 1775 oder 2006?

Geschrieben wurde der Brief 2006, nicht 1775. Angesichts zurückgehender Schülerzahlen wurde damals in Essen ein Schulentwicklungsplan diskutiert, der von vielen Eltern im Stadtteil sehr kritisch beurteilt wurde.

“Wir wenden uns ausdrücklich nicht gegen die Absicht, von zwei direkt nebeneinander liegenden Schulen im Endeffekt nur noch eine aufrecht zu erhalten.

Allerdings muss das Prinzip gelten, dass die einzige Grundschule eines Stadtteils allen Kindern dieses Stadtteils bedingungslos zugänglich sein muss.  Dieses Prinzip erfüllt eine Gemeinschaftsgrundschule. Eine städtische Konfessionsschule erfüllt diese Bedingung explizit nicht.”

Die Verwaltung plante offenbar zwar den Erhalt des Schulstandortes, aber nicht als eigenständige Schule, sondern als Teil einer Verbundschule mit der (2 km entfernten) Gemeinschaftsgrundschule Bedingrade. Die Eltern protestierten energisch und forderten statt dessen die Zusammenlegung mit der in unmittelbarer Nähe (150m) liegenden KGS Eichendorffschule als GGS in einem Gebäude:

“Diese Lösung ist ebenso halbherzig wie unlogisch, sie ist insbesondere auch aus grundschulpädagogischer Sicht nachteilig, wenn nicht sogar unrealisierbar. Sie führt in jedem Fall zu einer Grundschule zweiter Klasse. Oder wie soll es Ihrer Meinung nach in der Praxis funktionieren? […] Wie stellen Sie sich vor, dass eine Grundschullehrerin in der 5-Minuten-Pause den langen Weg zur Bergheimer Str. (über 6 Ampeln) schaffen kann? Hingegen ist die Entfernung von knapp 150m zur Eichendorffschule ja auch heute schon in der praktischen Kooperation beider Schulen gelebte Praxis. Weiterhin dürfte unbestritten sein, dass eine einzügige Dependance nie groß genug werden kann, um den offenen Ganztag zu realisieren. […]

Wir lehnen diesen Vorschlag ab, insbesondere, weil es eine viel bessere Lösung gibt, die die Nachteile der schwachen Dependance ins Gegenteil umkehrt, die zu einer starken Schule für alle Kinder in Schönebeck führt und gegen die bisher kein logisches Argument ins Feld geführt werden konnte. Niemand konnte und kann uns erklären, warum man eine Schule mit in einer Entfernung von 2km auseinander liegenden Standorten künstlich zusammenfassen soll, statt zwei Schulen zusammenzufassen, die an derselben Straße gerade einmal 150m voneinander entfernt sind! “

Sie fragen sich, was geschah? Der Stadtrat beschloss die von den Eltern kritisierte Lösung.

Ach, und noch was: Im aktuellen Schulprogramm der KGS Eichendorffschule fanden wir folgenden kleinen Absatz:

“Nur wenige Kinder aus Migrantenfamilien besuchen unsere Eichendorffschule. Diese sind im Allgemeinen in Deutschland geboren und gehören dem West- oder südeuropäischem Kulturkreis an.”

Ach so. Schön. Offener kann man ja kaum ausdrücken, warum diese Schule unbedingt erhalten bleiben muss. Aber vielleicht sollte man dieses Zitat auch nicht überinterpretieren: Der Name des Vorsitzenden des Fördervereins lautet Hüseyin Güngör.

Elterninitiative zum Erhalt einer Gemeinschaftsgrundschule in Schönebeck (Februar 2006)

KGS zu GGS: Sechs auf einen Streich in Korschenbroich

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“Die Abstimmung brachte ein eindeutiges Ergebnis: Die sechs Katholischen Grundschulen im Korschenbroicher Stadtgebiet werden zu Gemeinschaftsgrundschulen. Gestern veröffentlichte das städtische Schulverwaltungsamt die offiziellen Zahlen zur Abstimmung. Danach sprachen sich an allen Schulen jeweils mehr als zwei Drittel der Abstimmungsberechtigten für die Umwandlung aus. „Das Ergebnis ist so, wie wir uns es erhofft haben“, freute sich Beate Schlangen, stellvertretende Leiterin der St. Maternus Grundschule Am Hallenbad in Kleinenbroich, Freitag gegenüber der NGZ. Stolze 165 von 182 möglichen Abstimmungsberechtigten gaben ihre Stimme ab, 160 davon stimmten für die Umwandlung. Damit wurde die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit von 121 Stimmen deutlich überschritten. „Insgesamt haben also weit über 90 Prozent dafür gestimmt“, zieht Schlangen Resümee. „Das ist ein Erfolg auf der ganzen Linie.“ Sie spricht dem Engagement der Schulpflegschaft einen großen Anteil daran zu.”

NGZ-Online: Mehrheit für Schul-Umwandlung

GEW zur “Essener Grundschulkrise” (2005)

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Die Grundschullandschaft in Essen befindet sich seit Jahren angesichts sinkender Schülerzahlen im Umbruch. Der Plan der Stadt:

“Essen will die Zügigkeit der Konfessionsschulen so begrenzen, dass über 50 % der Schülerschaft der Konfession auch wirklich angehören. Gemeinschaftsschulen im Wohnumfeld der Schülerschaft sollen gestärkt werden. Ziel sollen starke 2-zügige Systeme sein. Da in den nächsten 10 Jahren ca. 35 Züge pro GS-Jahrgang wegbrechen, werden Standortaufgaben mittel- und langfristig unabdingbar sein. Die GEW wird den Rückbau der Grundschulstandorte sehr kritisch begleiten.”

Die GEW Essen fordert angesichts des Grundschulsterbens in Essen eine klare Priorität für Gemeinschaftsgrundschulen.

GEW-Vorsitzender Kuhlmann: “Es kann nicht sein, dass die Gemeinschaftsgrundschulen mit der Hauptaufgabe der Integration ohne zusätzliche Hilfe allein gelassen werden. Die Essener Schulpolitik hat offensichtlich endlich ihre Aufgabe verstanden, das Angebot im Wohnumfeld der Kinder schützend zu erhalten.”

Ausführliche Dokumentationen der Essener Grundschulkrise” von 2004-5 findet sich auf http://www.gew-essen.de/Akt-Grundschulsterben.html und http://www.gew-essen.de/Akt-Grundschulsterben-Archiv.html

Grundschule Pesch: Von KGS zu GGS, um den Erhalt zu sichern

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“Die Grundschule Pesch – zurzeit eine katholische Bekenntnisschule – muss um ihren Erhalt fürchten. Nur eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule könnte auf Dauer den Erhalt dieser Einrichtung in Pesch garantieren. Jetzt sind die Eltern gefragt .

Hat die Pescher Grundschule noch eine Zukunft? – Mit dieser Frage befassen sich zurzeit Politik und Verwaltung ebenso wie die Eltern, die ihre Schützlinge an der Kleinenbroicher Straße zum Unterricht schicken. Bislang drückten Grundschüler – katholischer und evangelischer Glaubenszugehörigkeit – gemeinsam die Schulbank in der katholischen Bekenntnisgrundschule.”

Ganzer Artikel: Grundschule Pesch: Umwandlung oder Aus

Burgschule Hackenbroich: Umwandlung in GGS, damit alles so bleiben kann, wie es ist

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Auch hier eine Schule, die umgewandelt wurde, damit sie so bleiben konnte, wie sie war. Übrigens mit Zustimmung des katholischen Gemeindereferenten vor Ort. Die zuständige Schulrätin beruft sich dabei auf das Gesetz.

Schulleiterin Ruth Steffens spricht von einem „Konflikt, der von außen in die Schule hineingetragen worden ist“, Gemeindereferent Martin Brendler von einem „künstlich erzeugten Krisenherd“: Zum Stichtag 11. Januar haben die Eltern an der Burgschule in Hackenbroich mit einem deutlichen Votum den Antrag gestellt, dass ein Verfahren zur Umwandlung der Einrichtung von einer katholischen in eine Gemeinschaftsgrundschule eingeleitet wird.

In der Woche nach Karneval werden die geheimen Abstimmungen laufen. „Wir stehen ziemlich unter Druck, denn wenn diese Umwandlung scheitert, bekommen wir hier in Hackenbroich ein echtes Problem“, sagt Brendler. Seit 30 Jahren ist die einzige Grundschule in Ort eine katholische Einrichtung – und seit 30 Jahren läuft das Schulleben problemlos.
Doch jetzt sei die Vorgabe von der Schulaufsicht gekommen, nur noch Schüler aufzunehmen, deren Eltern unterschreiben, dass ihr Kind am katholischen Religionsunterricht teilnimmt und in diesem Glauben erzogen wird. Der evangelische Religionsunterricht wird eingestellt.
Gemeindereferent Brendler sieht das ähnlich. „Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn die Schule eine katholische Einrichtung geblieben wäre, aber unter diesen Voraussetzungen plädieren auch wir für eine Umwandlung“, sagt er. Er könne nicht verstehen, warum dieses Thema von der Schulaufsicht so „forciert“ worden sei. „Man hätte hier vor Ort erst einmal mit allen Beteiligten reden müssen“, betont Brendler. „Jetzt haben wir Probleme, die wir vorher nicht hatten.“ Wenn die Umwandlung misslinge, bestehe die Gefahr, dass die Muslime in Hackenbroich den Katholiken die Schuld dafür gäben, dass ihre Kinder die Schule nicht mehr besuchen dürften – obwohl die Vorgabe aus einer ganz anderen Richtung gekommen sei.

„Das wird zu enormen Spannungen im Ort führen“, so Brendler. Der Gemeindereferent und Ruth Steffens arbeiten übrigens schon jetzt gemeinsam an einem neuen Programm für die Gemeinschaftsgrundschule. „Wir werden christliche Grundsätze in unserem Konzept festschreiben“, sagt Steffens. Es werde weiterhin wie bisher Schulgottesdienste geben, der Nikolaustag werde in den Klassen genauso gefeiert wie das St. Martinsfest mit einem Fackelumzug. „Ich hoffe sehr, dass möglichst wenige katholische Eltern ihre Kinder abmelden, wenn die Umwandlung funktioniert“, erklärt die Schulleiterin. „Denn faktisch wird sich gegenüber den vergangenen Jahren im Schulalltag gar nichts ändern.“

NGZ Online Dormagen, 11.1.2005, „Ein künstlich erzeugter Krisenherd“

Schulrätin Annegret Schulte hat sich gegen Vorwürfe aus Hackenbroich gewehrt, sie habe die Diskussion um die Umwandlung der Burgschule von einer katholischen in eine Gemeinschaftsgrundschule forciert und damit einen Konflikt im Ort heraufbeschworen.

„Hackenbroich kann doch kein weißer Flecke auf der Karten des Rhein-Kreises Neuss bleiben“, erklärte sie. „Wir leben in einem Rechtsstaat, und die Landesgesetze müssen überall gelten, auch in Hackenbroich.“ Im Landesgesetz stehe, dass an katholischen Schulen nur Kinder dieser Konfession unterrichtet werden sollten.

„Dass die Situation an vielen Grundschulen in den vergangenen Jahrzehnten anders aussah, kann kein Argument sein, sie so weiterlaufen zu lassen“, betont Schulte. Nina Schmidt, Sprecherin des Landesschulministeriums in Düsseldorf, erklärte am Freitag, ihr sei nicht klar, auf welches Gesetz sich hier berufen werde.

Ihre erste Verantwortung sei es, alle Klassen im Rhein-Kreis Neuss mit Lehrern zu versorgen – und das sei bei vielen kleineren katholischen Grundschulen, die es nach wie vor parallel zu Gemeinschaftsgrundschulen im Ort gebe, sehr schwierig, so Annegret Schulte. Diese besondere Struktur im Kreis führe dazu, dass viele kleine Klassen gebildet und von Lehrern betreut werden müssten.
[…] Allein in Zons, wo im vergangenen Jahr die katholische und die Gemeinschaftsgrundschule zusammengezogen worden waren, hätten 2,7 Lehrerstellen freigesetzt werden können. Die Situation in Hackenbroich sei eine spezielle, gibt auch Schulte zu. Darauf habe die Schulverwaltung aber Rücksicht genommen: Die Burgschule sei die einzige im Kreis, in der für die Erstklässler in diesem Schuljahr noch ein evangelischer Religionsunterricht angeboten werde.

„Wir arbeiten dort mit Übergangsfristen, um Ruhe in die Angelegenheit zu bekommen“, so Schulte. Dass eine Unruhe im Ort erst durch ihre Initiative entstanden ist, bestreitet die Schulrätin nicht: „Das war aber eine Ruhe, die nicht rechtens war, die Situation dort musste geklärt werden, und das wird sie durch den Elternwillen, der sich in der Abstimmung äußern wird.“

NGZ Dormagen, 14.1.2005, „Ruhe war nicht rechtens“

Mit großer Erleichterung haben Schulleitung und Eltern Freitag Abend auf das vorläufige Ergebnis der Abstimmung an der Hackenbroicher Burgschule reagiert: 294 Erziehungsberechtigte sprachen sich dafür aus, dass die Grundschule von einer katholischen Einrichtung in eine Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt wird.

[…] Nicht nur die Elternpflegschaft, sondern auch Schulleiterin Ruth Steffens und sogar der katholische Gemeindereferent Martin Brendler hatten die Werbetrommel gerührt und sich bemüht, die Eltern zu mobilisieren, damit sie bei der Abstimmung für die Umwandlung votieren. Sie befürchteten, dass Fronten zwischen Katholiken und Muslimen im Ort aufgebaut würden, die es vorher nicht gab.

Die Schulaufsicht hatte der katholischen Grundschule vorgegeben, in Zukunft nur noch Kinder aufzunehmen, deren Eltern sich schriftlich bereit erklärten, sie im katholischen Glauben zu erziehen und sie zum katholischen Religionsunterricht zu schicken. Der evangelische Religionsunterricht sollte abgeschafft werden. Nicht nur für Protestanten wäre diese Regelung ein Problem geworden. Rund 60 Prozent der Grundschüler in Hackenbroich sind muslimischen Glaubens. Die Burgschule ist jedoch die einzige Grundschule im Ort, und für nicht-katholische Kinder gab es keine andere Alternative in der Nähe ihres Wohnortes.

NGZ Online Dormagen,11.02.2005, Mehrheit für Umwandlung

Umstrittene und weniger umstrittene Umwandlungen im Rhein-Neuss-Kreis

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Verkehrte Welt in Hackenbroich: 60% der Grundschulkinder sind muslimisch, aber die Schulaufsicht verlangt, dass sich die Eltern verpflichten, ihre Kinder im katholischen Glauben zu erziehen und sie zum katholischen Religionsunterricht schicken, obwohl es im Ort keine Gemeinschaftsgrundschule gibt.

Im gesamten Rhein-Kreis Neuss gibt es zurzeit Bestrebungen, katholische Grundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen umzuwandeln. In den meisten Fällen läuft dieser Prozess recht geräuschlos und friedlich ab.

Auch die Umwandlung der Tannenbuschschule in Delhoven vor einigen Monaten war – abgesehen von dem sehr aufwendigen Abstimmungsverfahren – kein Problem. In Hackenbroich sieht das anders aus. Damit die Situation nach einer turbulenten Informationsveranstaltung nicht weiter eskaliert, hat die Schulpflegschaft eine Projektgruppe gegründet, die die Eltern informieren und zwischen den gegensätzlichen Positionen vermitteln soll. Auch der Verein „Aktiv für Hackenbroich“ und der Ausländerbeirat der Stadt Dormagen sind inzwischen eingeschaltet worden. „Integration ist das große Thema bei uns im Ort, das natürlich auch bei dieser Frage eine entscheidende Rolle spielt“, sagt Guido Porting, stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft und Mitglied der Projektgruppe. Das Problem: Im kommenden Schuljahr soll der evangelische Religionsunterricht in Hackenbroich eingestellt werden.

Die Schulaufsicht verlangt gleichzeitig, dass die katholische Schule zwar auch Kinder aufnehmen darf, die nicht katholisch sind, allerdings nur, wenn sich die Eltern verpflichten, ihre Kinder im katholischen Glauben zu erziehen und sie zum katholischen Religionsunterricht schicken. „Rund 60 Prozent der Grundschüler in Hackenbroich sind muslimischen Glaubens, und ein Teil von ihnen tut sich mit dieser Vorgabe sehr schwer“, sagt Porting. „Vor allem, weil sie im Ort selbst keine Alternative haben, denn es gibt keine Gemeinschaftsgrundschule.“ Auf der anderen Seite ständen Hackenbroicher, die ihre katholische Grundschule erhalten wollten. „Sie haben Angst, dass christliche Werte in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen“, so Porting. Die Projektgruppe habe in den vergangenen Wochen Fragen von Eltern gesammelt und versucht, sie gemeinsam mit dem Kreis zu beantworten.

NGZ Online Dormagen, 29.12.2004, Umwandlung heftig umstritten


Die Umwandlung der KGS Hackenbroich in eine GGS war übrigens erfolgreich.

Neuss: 4 KGS wollen sich in GGS umwandeln

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Nicht überall sperren sich Vertreter der katholischen Kirche gegen Umwandlungen.

“(…) zum neuen Schuljahr drohen vielen Kindern in Neuss weite Schulwege. Die Schulleiter der 19 katholischen Grundschulen haben die Anweisungen von der Schulaufsicht, zunächst nur Kinder dieses Bekenntnisses aufzunehmen, bis die Schlüsselzahl “25” für die Bildung einer Klasse erreicht ist.

Kommt diese so nicht zustande, dürfen andersgläubige Kinder hinzukommen, wobei evangelische Kinder auf dieser “Hitliste” am Ende rangieren. Ein unmöglicher Zustand, findet Dr. Christoph Sommer diese Vorgehensweise. Sommer ist seit drei Jahren Schulpflegschaftsvorsitzender der St. Martinus-Schule in Uedesheim. Dort laufen derzeit intensive Bemühungen, die Lehranstalt in eine Gemeinschaftsgrundschule umzuwandeln. “Wir wollen den drohenden Grundschüler-Tourismus vermeiden”, sagt Sommer. “Die St. Martinus-Schule soll weiterhin eine Schule für alle Uedesheimer Schüler sein, unabhängig von ihrer Konfession.” Derzeit gibt es in Neuss neben den 19 katholischen noch vier evangelische Bekenntnisgrundschulen (wobei die Paul-Gerhardt-Schule ausläuft) sowie sechs Gemeinschaftsgrundschulen. (…)

Stadtdechant Jochen Koenig äußert Verständnis: “Ich bin für eine sinnvolle Reduzierung der katholischen Grundschulen. Deren heutige Zahl entspricht nicht mehr der damaligen Zahl von katholischen Kindern, als die Schulen gegründet wurden. Es geht nicht an, dass Kinder morgens und mittags 45 Minuten mit dem Bus fahren müssen.”

NGZ Online, Neuss, Vor dem Umbruch

Die 25er-Regelung: 25 katholische Kinder, dann der Rest, ganz zuletzt die evangelischen

Im Sommer wurden die katholischen Grundschulen Barbara und Richard-Schirrmann in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Jetzt planen Eltern Gleiches an der Grundschule Holzheim und Hubertus-Schule. An der Grundschule Holzheim und der Hubertus-Grundschule laufen Bestrebungen von Eltern, diese katholischen Schulen in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln.

Die Neusser Schullandschaft bewegt sich (weiter): Die Grundschule Holzheim und die Hubertus-Grundschule in Reuschenberg, beides katholische Einrichtungen, sollen zum kommenden Schuljahr Gemeinschaftsgrundschulen werden. Dies ist der erklärte Wille von Elternvertretern. Sie arbeiten derzeit daran, die Voraussetzungen für das Einleitungsverfahren zu schaffen.

Für Norbert Pesch ist die Sache klar: „Wir wollen nicht, dass Kinder aufgrund ihrer Konfession abgelehnt werden. Wir wollen keine Trennung von bestehenden sozialen Bindungen“, sagt der Vorsitzende der Schulpflegschaft der Hubertus-Schule. […]

„Hinzu kommt die soziale Komponente: Kinder, die zusammen in den Kindergarten gegangen sind, die am Nachmittag zusammen spielen – sie sollen auch die Möglichkeiten haben, in die gleiche Schule zu gehen.“ Sorgen von Eltern, die befürchten, dass eine religiöse Erziehung in einer Gemeinschaftsschule zu kurz käme, zerstreut Norbert Pesch: „Religionsunterricht wird getrennt nach Bekenntnis von Fachlehrern unterrichtet, die Feste des Kirchenjahres werden weiterhin gefeiert, die christlichen Werte und Ziele im Schulprogramm verankert.“

Auslöser der Aktivitäten der Eltern ist die Anweisung der Schulaufsicht an die Schulleiter der katholischen Grundschulen, zunächst nur Kinder dieses Bekenntnisses aufzunehmen, bis die Schlüsselzahl „25“ erreicht ist. Kommt diese so nicht zustande, dürfen auch andersgläubige Kinder aufgenommen werden. Wobei die evangelischen Kinder in dieser „Rangliste“ ganz hinten stehen, weil sie ja eine evangelische Grundschule besuchen sollen.

Bereits Anfang diesen Jahres kritisierten Eltern an anderen Schulen diese Regelung und befürchteten einen „Grundschüler-Tourismus“. Mit der Festlegung auf eine Klassengröße von 25 Kindern will die Schulaufsicht im Rhein-Kreis verhindern, dass es zu viele kleine Klassen gibt und mit der „25er-Regelung“ eine bessere Lehrerverteilung erreichen. Zu Beginn diesen Schuljahres sind mit der Barbaraschule in der Nordstadt und der Richard-Schirrmann-Schule in Hoisten bereits zwei katholische Grundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt worden.

Dort hatte es die erforderliche Stimmenmehrheit der Eltern gegeben. An zwei anderen Grundschulen, St. Martinus in Uedesheim und St. Konrad in Gnadental, scheiterten diese Bemühungen. An St. Martinus fehlten lediglich vier Stimmen für eine Umwandlung. Manche Schulleiter sehen die Bestrebungen der Eltern positiv. Die Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule kann durchaus eine Bestandssicherung bedeuten. Die Gefahr besteht, dass wegen der „25er-Regelung“ aus einer bislang zweizügigen katholischen Grundschule schnell eine nur noch einzügige Schule wird.

NGZ Online Neuss, 15.11.2004Schulen vor Umwandlung

Wort der Deutschen Bischöfe zur Integration von Migranten

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Die deutschen Bischöfe 2004: “Die Schule hat für die Integration von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Bedeutung, weil sie einen natürlichen Raum der Begegnung darstellt.” Gut erkannt. Folgerichtig wäre es doch sinnvoll, diese Begegnung an allen Schulen gleichermaßen zu ermöglichen.

“3.6.3 Integration in Kindergarten und Schule stärken

Für das Integrationsgeschehen kommt dem Bildungs- und Erziehungssystem eine Schlüsselfunktion zu. Gerade hier hat Deutschland jedoch mit erheblichen Defiziten zu kämpfen. Nicht zuletzt die Ergebnisse der PISA-Studie haben gezeigt, dass die Erfolge ausländischer und deutscher Schüler aus unteren sozialen Schichten deutlich geringer sind als die von Schülern aus höheren sozialen Schichten. In keinem anderen Land korrelieren Schulerfolge so stark mit der sozialen Herkunft wie in Deutschland. Der Schulerfolg ausländischer Kinder stagniert – nach einem deutlichen Anstieg in den 70er und 80er Jahren – inzwischen auf einem außerordentlich unbefriedigenden Niveau. Nach wie vor besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen.

[…]
Die Schule hat für die Integration von Kindern und Jugendlichen auch deshalb eine zentrale Bedeutung, weil sie einen natürlichen Raum der Begegnung darstellt. Hier können spätere Verhaltensmuster gegenüber zunächst Fremden positiv beeinflusst werden.
[…]

Die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts in das deutsche Schulsystem ist bereits im Gemeinsamen Wort erwähnt. Unter Würdigung der bestehenden staatskirchenrechtlichen Probleme wird das Bemühen um angemessene Lösungen ausdrücklich begrüßt. Ein solcher Unterricht in deutscher  Sprache unter staatlicher Schulaufsicht würde am Ort des gemeinsamen Unterrichtens und Lernens ganz neue Möglichkeiten des Dialogs und der Begegnung sowohl in den Lehrerzimmern als auch in  den Klassenräumen eröffnen. Das Wissen um die religiösen Symbole und Feste der anderen Religion, gegenseitige Besuche in Kirchen  und Gebetsräumen könnten erheblich dazu beitragen, Fremdheit und Vorurteile abzubauen.”

Deutsche Bischofskonferenz (2004): Integration fördern – Zusammenleben gestalten: Wort der Deutschen Bischöfe zur Integration von Migranten

Bevorzugte Grundschulart der evangelischen Kirche ist die GGS

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Offizielle Stellungnahmen der Evangelischen Kirche zum Thema Öffentliche Bekenntnisschule in NRW sind schwer zu finden. Interessant daher der folgende Artikel aus dem Jahr 2004. Damals setzte sich die Evangelische Kirche in Ronsdorf dafür ein, dass bei der Zusammenlegung einer KGS mit einer GGS auch die Schulart EGS (evangelische Grundschule) im Bestimmungsverfahren zur neuen Schulartwahl zur Verfügung stehen sollte – obwohl diese Schulart gar nicht die bevorzugte Wahl sein sollte, denn:

Traditionell ist die bevorzugte Grundschulform der evangelischen Kirche die GGS, weil dort Kinder verschiedener Konfessionen und Herkunft zusammen lernen und an dieser Schulform der konfessionelle Religionsunterricht – sowohl evangelisch als auch katholisch – vorgeschrieben ist.

Evangelische Gemeinde Heidt, 3.5.2004, Kirche streitet für Evangelischen Religionsunterricht an Ronsdorfer Grundschule

Katholische Erziehung – Ganzheitliche Erziehung?

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Der Kampf zwischen Staat und katholischer Kirche um die Volksschule im Wandel der politischen Systeme 1918-1949
Thomas Breuer (14.01.2002)

“(…) Verlangt wurde also abermals ein staatliches Schulwesen, in dem nicht nur der Religionsunterricht, sondern alle Unterrichtsfächer im Einklang mit der katholischen Weltanschauung erteilt werden sollten. Zur Begründung für diese weitreichende Forderung verwies die Kirche wiederum auf das „unveräußerliche Recht“ der Eltern, über die Art der Erziehung ihrer Kinder nach Maßgabe ihres Gewissens entscheiden zu dürfen. Argumentativ zeigten sich die deutschen Bischöfe ganz auf der Höhe der Zeit, wenn sie erklärten: „Von einem demokratisch-freiheitlichen System muß an allererster Stelle die Freiheit des Gewissens hochgehalten werden“. Nur die Bekenntnisschule aber könne „den katholischen Eltern die schwere Gewissensbeunruhigung hinsichtlich der Wahrung des reinen und unversehrten Glaubens ihrer Kinder“ nehmen.

Tatsächlich hatte die Bekenntnisschule von der Intention ihrer Verfechter her einen tendenziell totalitären Charakter, insofern sie alles unter den Primat der kirchlichen Gesinnung stellte. Pädagogische Gesichtspunkte hatten hinter dem Prinzip der Gesinnungsgleichheit zurückzustehen.
(…)

Bedauerlich ist, dass man in unseren Tagen erneut den Eindruck gewinnen kann, dass die katholische Kirche ihre Stimme in Bildungsfragen vor allem pro domo erhebt. So wichtig die Frage des Religionsunterrichts ist, so sehr hat man als Kirchenhistoriker seine Zweifel, ob die Argumente für dessen Konfessionalität tatsächlich für die Ewigkeit gelten.”

Der ganze Artikel auf Theophil online